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Glossar
AAL Altersgerechtes Haus ISH Smartes Bad
9. September 2016

Vernetzt mit Waschtisch und Wanne

Smarte Erwartungen auch im Bad

(red-abb) Smarte Erwartungen: Das Smart Home wird mit Apps und Smartphone gesteuert und verspricht seinen Bewohnern viel: mehr Komfort, größere Sicherheit, bessere Energienutzung und höhere Lebensqualität – auch im Bad.

Im Smart Home funktioniert alles automatisch. Alle Bereiche wachsen zusammen, die einzelnen Komponenten kommunizieren untereinander und mit Apps. Ob es die am Morgen rechtzeitig hochfahrende Heizung ist oder der häufig zitierte Kühlschrank, der die Bestände prüft. Ob Leuchten, Musik, Jalousien, Türschloss oder der Saugroboter: Alles lässt sich programmieren, in Echtzeit regeln und in Gang setzen – selbst das Einlaufen des Badewassers in gewünschter Temperatur und Füllhöhe. Dazu muss man nicht einmal zu Hause sein, denn das „Internet der Dinge“ klappt auch auf Distanz. Ein Blick aus der Ferne zur Kontrolle, ob im Bad oder anderswo noch Licht brennt, ist heute kein Problem mehr.

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Sicher nach draußen vernetzt

Das vernetzte Zuhause ermöglicht Service und Fürsorge für alle: Die Bewohner erhalten akustische und visuelle Signale, wenn sie vergessen haben, ein Gerät auszuschalten oder das Wasser abzustellen. LED-Licht mit Bewegungssensoren weist in der Nacht den sicheren Weg vom Bett zum WC, und das passt sich in seiner Höhe dem gerade Aufgestandenen an. Die Dusche am Morgen liefert auf Knopfdruck Lieblingstemperatur und -sound. Im Spiegel daneben zeigt eine Sonne schönes Wetter an, und die aktuellen Nachrichten tickern ein. Beim betagten Senior erinnert er indes an die Tabletten, ermittelt den Blutdruck und leitet das Ergebnis gleich an den Hausarzt weiter. Mehr noch: Findet keine Messung statt, wird das dem angeschlossenen Pflegedienst signalisiert. Im besten Fall schaut schnell der Nachbar vorbei.

Sensortechnologien sowie die Vernetzung „nach draußen“ ersetzen selbstverständlich nicht die persönliche Zuwendung. Sie helfen aber, einen Umzug ins Heim hinauszuzögern oder ganz zu verhindern. Zudem bringen sie große Erleichterung für Betroffene und Angehörige. Denn das eigene Zuhause ist mit weitem Abstand die bevorzugte Wohnform im Alter. Angesichts der gewaltigen Kosten, die der demografische Wandel hierzulande mit Blick auf die Pflege einer überalterten Gesellschaft mit sich führen wird, wirbt sogar die Politik für ambulant vor stationär. Das Statistik-Portal „Statista“ sieht allein in Deutschland für Assistenzsysteme bis 2020 ein Marktpotenzial von 181,5 Millionen Euro; 2015 waren es lediglich 20 Millionen Euro.

Smarte Erwartungen
Smart Mirrors sind groß im Kommen. Sogar Microsoft hat jetzt ein solches Produkt in der Pipeline. Kürzlich veröffentlichte das Unternehmen eine Bauanleitung für Bastler. Das Besondere an der Innovation: Sie basiert auf Windows 10 und einem Raspberry Pi (Einplatinencomputer) – und soll Gesicht und Stimmung erkennen. Foto/Mockup: Microsoft
Der Standard fehlt

Die Ideen rund ums Haus der Zukunft und den „magischen“ Badezimmerspiegel machen schon seit Langem von sich reden. Doch so richtig kommen die altersgerechten Systemlösungen für gesundes und sicheres Leben und Wohnen (AAL) nicht in Fahrt. Das liegt zum einen an den Angeboten selbst, die zwar gut gemeint sind, aber offensichtlich nicht bei jedem ankommen. Zum anderen liegt es am Standard, besser: am nicht vorhandenen Standard. Stattdessen tummeln sich zahlreiche Systeme auf dem Markt, die meist alles andere als transparent und kompatibel sind und Nutzer leicht in den Wahnsinn treiben. Die Befüllung der Wanne oder die Bedienung des Dusch-WCs per App reichen im Grunde nicht, um smarte Erwartungen im Bad zu erfüllen. Und von der einen App, die alles steuert, ist man weit entfernt. Natürlich stellen Einzellösungen Hilfen im Alltag dar. Doch die größte Entlastung bringt eben erst die Vernetzung.

Smarte Erwartungen
Die Möglichkeiten der Digitalisierung im Bad sind schon seit Längerem gegeben. Mit einer Entwicklung von Dornbracht, Gira und Revox lässt sich Lieblingsmusik und ein stimmungsvolles Lichtambiente nach eigenen Wünschen in das morgendliche Duschprogramm integrieren. Dabei hat man den Wasserverbrauch stets im Blick. Foto: Dornbracht / Gira / Revox
Fast nur Insellösungen

In Deutschland mischen Großkonzerne wie der Energieversorger RWE, die Deutsche Telekom oder der Elektroriese Bosch in der Heimautomation mit – unterstützt von diversen Herstellern, die mit ihren Produkten an die Entwicklungen andocken. Die von Gira, Viessmann Heiztechnik, Dornbracht, Miele und Revox getragene Initiative „Connected Comfort“ zeigt ebenfalls, was machbar ist, um branchenübergreifend mehr Intelligenz ins Haus zu bringen. Doch kritisch betrachtet sind diese Angebote Insellösungen, die eine Zusammenarbeit von Geräten über das eigene Bündnis hinaus erst einmal nicht vorsehen. Auf dem „Eiland“ selbst kann es ebenso zu Problemen kommen, wenn sich alte Hardware nicht mehr auf neue Software anpassen lässt. Von Datensicherheit der Nutzer und der grundsätzlichen Systemsicherheit gegenüber Hackerangriffen einmal abgesehen. Doch das sind andere Baustellen.

Auf die smarte Uhr gekommen

Immerhin wird am Komfort und der Reichweite solcher Insellösungen gefeilt: So präsentierte die Deutsche Telekom zur „IFA 2016“ in Berlin eine erweiterte Version der App zu ihrem Smart-Home-System „Qivicon“. Darüber lassen sich jetzt ein Beleuchtungssystem von Osram sowie alle vernetzten Geräte von Miele einbinden. Damit können Anwender u. a. aus der Ferne prüfen, ob das Kochfeld an ist. Überdies sind Benachrichtigungen auf Smartwatches von Apple und Samsung möglich. Die Uhren informieren etwa bei Wasseraustritt und bei unerlaubtem Öffnen von Fenstern und Türen. Eine weitere Option ist die Aktivierung bzw. Deaktivierung von vordefinierten Szenarien. Schließlich kann man die Smart-Home-App sogar mit dem „ConnectedDrive“-System in Fahrzeugen des Autobauers BMW nutzen und auf diese Weise während der Rückfahrt aus dem Urlaub sein Zuhause vorheizen lassen.

Den größten Anteil am allgegenwärtigen Internet und an der häuslichen Vernetzung haben jedoch nach wie vor die Smartphones. Zum Massenphänomen geworden tragen sie dazu bei, dass in Deutschland auch die älteren Generationen dem Haus der Zukunft gegenüber durchaus aufgeschlossen sind und zum Erhalt der Selbstständigkeit technische Hilfsmittel anwenden würden. Unterstützung in Form von Zuschüssen durch Pflegekassen darf man jedoch nicht automatisch erwarten. Hier bedarf es oftmals umfangreicher Erklärungen, warum die eine oder andere AAL-Maßnahme über die Frage Zuhause oder Heim entscheidet.

Smarte Erwartungen: Einflussreiche Generation 55plus

Aktuellen Studien zufolge könnte sich das bereits in wenigen Jahren ändern. Nämlich dann, wenn die Generation 55plus auf den Plan tritt. Sie gehört nicht nur zu den geburtenstärksten Jahrgängen, sondern wird noch dazu länger leben als jede Generation vor ihr. Die von Siemens Hausgeräte gemeinsam mit dem Frankfurter Zukunftsinstitut durchgeführte Trendstudie „Connected Home“ hat im vergangenen Jahr u. a. die Wünsche und Nutzungsinteressen dieser Altersgruppe bezüglich digital vernetzter Hausgerätetechnik untersucht. Das Fazit stimmt zuversichtlich und mit den Erfahrungen der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) überein. Diese sieht einer eigenen forsa-Umfrage zufolge gute Marktchancen für das „digitalisierte“ Badezimmer.

Zurück zu den Forschern des Zukunftsinstitutes: Sie ermittelten, dass sich die Menschen der Generation 55plus von einem vernetzten Zuhause Komfort und Lebensqualität erwarten. Ihnen muss eine personalisierbare Umgebung geboten werden, die nicht nur Funktionsweise und -umfang von untereinander verbundenen Hausgeräten regelt, sondern außerdem die „Hardware“ berücksichtigt. Ältere Menschen möchten in ihrem Haushalt alles selbst erreichen und bedienen können. Wo das nicht mehr realisierbar ist, bietet ihnen das Connected Home Unterstützung und Sicherheit. Abschaltautomatiken, Erinnerungsservices und Bewegung registrierende Sensoren sollen die Chance geben, so lange wie möglich unabhängig zu leben oder schnell Hilfe von außerhalb zu bekommen.

Smarte Erwartungen
Bundesweit gibt es eine Reihe von Musterwohnungen, in denen sich altersgerechte Systemlösungen für gesundes und sicheres Leben und Wohnen (AAL) live erleben lassen. Eine davon ist „+raum“ in Wolfsburg. Foto: Wolfsburg AG
Modellwohnung zeigt, wie es gehen kann

Entsprechende Gebrauchsgegenstände und Wohnungseinrichtungen werden seit fünf Jahren von der Stadt Wolfsburg und dem VW-Konzern im „+raum“ gesammelt. In der 2-Zimmer-Wohnung präsentieren 54 Partner über 160 Produkte, die das selbstbestimmte Wohnen in allen Lebenslagen erleichtern. Bei dem vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium unterstützten Projekt legt man besonderen Wert darauf, dass alles, was gezeigt wird, auch im Handel gekauft werden kann. In der Modellwohnung findet sich ferner eine App-gesteuerte Hausautomation, mit deren Hilfe Rollläden, Türen und Heizungen bequem im Sitzen oder von unterwegs angesteuert werden können. Dienstleistungen, die das Leben einfacher und sicherer machen, wie die Anlieferung von Pflegeboxen und Notrufdienste, werden ebenfalls vorgestellt.

Im letzten Jahr belegte das innovative Projekt beim SmartHome Deutschland Award den 3. Platz in der Kategorie „Bestes Projekt“. Das bestätige, dass man mit der Modellwohnung eine hervorragende Plattform für die Präsentation intelligenter Assistenzsysteme geschaffen habe, freuten sich die Verantwortlichen bei der Wolfsburg AG. Wie es heißt, sei ein Teil der vorgestellten Gegenstände im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen aufgelistet, etwa die Handgriffe im Badezimmer. Sie könnten vom Arzt verschrieben werden. Hinsichtlich eines Umbaus von Wohnungen gebe es Förderprogramme. Dabei sei zu unterscheiden, ob es sich um Eigentum oder ein Mietobjekt handele. Letzteres erfordere die Einigung von Vermieter und Mieter.

Smarte Erwartungen
Die Sonderschau „Das E-Haus“ ist ein richtungsweisendes Beispiel für intelligent vernetzte Gebäudetechnik. Mit Blick auf den demografischen Wandel gilt ein besonderes Augenmerk dem multifunktionalen, generationenübergreifenden Wohnen. Neu sind Steuerungen via Sprache und Smartwatch. Foto: ZVEH / Schildheuer
„E-Haus“ macht Technik transparent

Um Besuchern näherzubringen, was heute an Smartem in den eigenen vier Wänden schon umsetzbar ist, hat der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) ein 100 Quadratmeter großes „E-HAUS“ entwickelt und es mit modernster Haus- und Sicherheitstechnik ausgestattet. Auf Messen wie der „Light + Building“ in Frankfurt oder der „IFA“ in Berlin wurde damit demonstriert, wie die Energiewende in den eigenen vier Wänden funktioniert – vom Bad übers Wohnzimmer bis zum Schlafzimmer. Das Gute: Die Technik ist transparent verbaut, sodass alle Besucher über Glasböden unmittelbare Einblicke in die Installationen erhalten.

Gesteuert wird die Technik über PC, Tablet, Smartphone und neu: Sprache und Smartwatch. Teil des Equipments: der Spiegel mit Nachrichtenticker, mittlerweile das für die Digitalisierung des Bades wohl am häufigsten bemühte Symbol. Darüber hinaus demonstrieren die Initiatoren, wie sich perfekte Lichtstimmung komponieren lässt oder wie das Fenster im Bad auf Knopfdruck milchig und damit undurchsichtig wird. Den nächsten Auftritt hat das „E-Haus“ während der „GET Nord“ vom 17. bis 19. November 2016 in Hamburg in der Messehalle B2.EG, Stand 131.

Smarte Erwartungen
Die Aktion Barrierefreies Bad und ihre Initiatoren – Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) – werden während der „ISH“ 2017 jeweils an ihren Messeständen über das smarte Badezimmer informieren. Vielleicht gehört zu den Besuchern ja auch wieder die Schirmherrin der bundesweiten Initiative, Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks. Foto: VDS
Aktion Barrierefreies Bad informiert während der „ISH 2017“

Und noch ein Termin, den man sich jetzt schon notieren sollte: Vom 14. bis zum 18. März 2017 wird die Weltleitmesse „ISH“ in Frankfurt gastieren und zeigen, was heute und morgen von der Sanitärtechnik zu erwarten ist. Im Bereich „ISH Water“ steht nach Angaben der Ausstellungsgesellschaft u. a. das smarte und vernetzte Bad auf dem Programm. Auch die Aktion Barrierefreies Bad und ihre Initiatoren VDS und Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) werden jeweils an ihren Messeständen entsprechend informieren.

Zu den Ausstellern in der Mainmetropole gehört ebenfalls die SYR Hans Sasserath GmbH & Co. KG, die für ihr vernetztes Trinkwassermanagement den SmartHome Deutschland Award 2016 gewann. Das Programm „SYR Connect“ verbindet Armaturen und Steuerungselektronik mit dem Internet und bringt damit zahlreiche Vorteile mit sich. So melden die Armaturen ihren Status an einen zentralen Server, gleichen Soll- und Ist-Parameter ab und führen verschiedene Aktivitäten wie Wasserabsperrung oder Heizungsbefüllung aus – und dies alles, ohne dass Fachhandwerker oder Endkunde in den Heizungskeller müssen.

Amazon-Manager: „Diese Zukunft ist noch weit weg.“

Man darf also gespannt auf das Angebot von morgen sein, sollte jedoch, wenn es nach Amir Pelleg geht, Geduld mit dem Smart Home haben. In der Zukunft, gab der Amazon-Manager kürzlich in der Zeitung „Welt“ zum Besten, werde das Haus einfach wissen, dass Artikel wie Toilettenpapier alle sind und sie selbst nachbestellen. Aber diese Zukunft sei noch weit weg. Am smarten Zuhause werde seit 30 oder 40 Jahren gearbeitet. Und immer wieder schien es in greifbarer Nähe zu sein und dauerte dann doch länger.