Logo

Webansicht dieses Beitrages unter:
https://www.aktion-barrierefreies-bad.de/stadtentwicklungsbericht-2025-unterstreicht-dringenden-handlungsbedarf/

Allgemein Barrierefrei Förderung
26. Juni 2026
Barrierefreies Bad mit oben rechts aufgehängter Titelseite des Stadtentwicklungsberichts 2025 – Wohnen und Bad als politische Aufgabe.

Stadtentwicklungsbericht 2025 unterstreicht dringenden Handlungsbedarf

Wohnen ist politische Aufgabe –
und mit ihm das Bad

(dh/red-abb) Die Bundesregierung sieht konkreten Handlungsbedarf, den Wohnungsbestand an eine älter werdende Gesellschaft anzupassen. Mit dem in dieser Woche vom Bundeskabinett beschlossenen Stadtentwicklungsbericht 2025 rückt somit auch das barrierefreie Bad stärker in den Fokus. Doch werden der anerkannten Notwendigkeit auch ausreichend Taten folgen?

Handlungsbedarf ist anerkannt

Den Stadtentwicklungsbericht 2025 hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) der Bundesregierung vorgelegt. Er macht deutlich, dass demografische und soziale Entwicklungen – etwa eine älter werdende Gesellschaft – stärker berücksichtigt werden müssen. Wohnen, Pflege und Gesundheit werden dabei der öffentlichen Daseinsvorsorge zugeordnet, also als staatliche Aufgaben verstanden.

Die Stadtentwicklungspolitik des Bundes ist eng mit den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung verknüpft. Ein wichtiges Ziel ist, Städte und Gemeinden inklusiv, sicher und nachhaltig zu gestalten. Zugleich orientiert sie sich an der „Neuen Leipzig-Charta“. Diese gilt als Leitdokument für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung in Europa. Dort wird gefordert, Städte so zu entwickeln, dass alle Menschen teilhaben können – unabhängig von Alter, Einkommen oder Einschränkungen. Altersgerechtes bzw. barrierefreies Wohnen ist damit nicht nur Privatsache. Vielmehr ist es Teil eines politischen Aufgabenprofils, in dem auch die Ausstattung der Wohnungen eine zentrale Rolle spielt.

Warum das Bad zum Schlüsselraum wird

Analysen zum Wohnungsmarkt und zur Pflegesituation zeigen, wie groß der Handlungsbedarf bei der Barrierefreiheit ist. Das Institut der Deutschen Wirtschaft schätzt den Fehlbestand entsprechend ausgestatteter Wohnungen derzeit auf etwa 2 Millionen; bis 2035 könnte er auf rund 3,7 Millionen anwachsen.

Besonders deutlich wird der Stellenwert des Badezimmers in den Einstellungen der Bevölkerung. Laut der Grundlagenstudie „#germanbathrooms: Die Deutschen und ihre Badezimmer“ halten 95 Prozent der Befragten altersgerechte Badezimmer für wichtig oder sehr wichtig. 66 Prozent schätzen sie sogar als sehr wichtig für ein selbstbestimmtes Leben im Alter ein. Die Erhebung wurde von forsa im Auftrag der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) durchgeführt. Das Bad gilt damit klar als Schlüsselraum, um die eigene Wohnung möglichst lange sicher und selbstständig nutzen zu können.

Risiko für ältere und pflegebedürftige Menschen

Nicht barrierefreie Wohnungen sind im Alltag älterer und pflegebedürftiger Menschen ein erhebliches Risiko – besonders im Bad. Dort treffen eingeschränkte Mobilität, Nässe, enge Bewegungsflächen, Stolperfallen und fehlende Haltemöglichkeiten aufeinander. Ohne ein entsprechend angepasstes Badezimmer lässt sich Pflege zu Hause vielfach kaum zumutbar bewältigen. Für die zu pflegende Person wird jeder Schritt und jeder Handgriff zur Herausforderung. Und für Pflegekräfte oder Angehörige wird das Bad zum belastenden Arbeitsplatz mit hoher körperlicher Beanspruchung und zusätzlichem Unfallrisiko.

Erkenntnis allein löst den Mangel nicht

Der Stadtentwicklungsbericht ordnet den demografischen Wandel klar als zentrale Herausforderung für die Wohnpolitik ein. „Der Handlungsbedarf beim barrierefreien und altersgerechten Wohnen ist dadurch jetzt erneut politisch anerkannt worden. Die Förderpraxis ist aber nach wie vor viel zu schwach, um den massiven Fehlbestand wirklich anzugehen“, sagt Daniela Heinemann, Referentin der Aktion Barrierefreies Bad.

KfW‑Programm 455‑B: wirksam, aber unterfinanziert

Das KfW‑Zuschussprogramm 455‑B „Barrierereduzierung – Investitionszuschuss“, zuvor unter dem Namen „Altersgerecht Umbauen“ angeboten, hat seit 2009 zahlreiche Maßnahmen ermöglicht. Die Mittel waren jedoch mehrfach vorzeitig ausgeschöpft oder wurden zwischendurch gestoppt.

Eine Studie des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag der KfW bescheinigt dem Programm eine hohe Wirksamkeit und fordert seine langfristige Verstetigung. Auch der Neunte Altersbericht der Bundesregierung unterstreicht die Notwendigkeit, das Programm weiter auszubauen und seine Zuschussvariante auf Dauer sicherzustellen, um ausreichend barrierereduzierten Wohnraum zu schaffen.

Seit April wird das KfW‑Programm aus dem Sondervermögen des Bundes erneut finanziert, doch die dafür vorgesehenen 50 Millionen Euro für 2026 reichen bei Weitem nicht aus.

Auch das Pestel‑Institut warnt, dass die Baby‑Boomer in eine Wohnsituation hinein altern, die nicht ausreichend an die Bedürfnisse im Alter angepasst ist. Die Wissenschaftler plädieren deshalb dafür, dass der Bund einen Teil der Kosten für den altersgerechten Umbau als Zuschuss übernimmt.

Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS), bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen eine dauerhafte Neuauflage dieses KfW‑Programms mit verlässlich bereitgestellten Mitteln von mindestens 150 Millionen Euro pro Jahr. Nur wenn die Zuschüsse langfristig gesichert und die maximale Förderhöhe für Einzelmaßnahmen angesichts gestiegener Baukosten erhöht wird, können altersgerechte Bäder im Bestand flächendeckend Realität werden. Ohne ein gut zugängliches, sicher gestaltetes Bad bleibt selbstbestimmtes Wohnen im Alter Wunschdenken.“

Stadtentwicklungsbericht 2025: Barrierefreies Wohnen als politische Aufgabe

Nicht zuletzt durch den Stadtentwicklungsbericht 2025 macht die Bundesregierung deutlich, wie dringend der Wohnungsbestand an eine älter werdende Gesellschaft angepasst werden muss. Dabei geht es auch darum, Wohnungen so zu gestalten, dass sie im Alltag sicher und gut nutzbar sind. Das Badezimmer wird dabei zum Schlüsselraum. Altersgerechte bzw. barrierefreie Bäder sind deshalb kein Randthema, sondern eine zentrale Voraussetzung für selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Entscheidend wird sein, ob die Politik den anerkannten Handlungsbedarf mit dauerhaft verlässlichen, ausreichend ausgestatteten Förderprogrammen unterlegt – und den Badumbau vom Ausnahmefall zum Standard macht.

Frühzeitig in altersgerechte Bäder investieren

Zusätzlich zur öffentlichen Förderung sind private Entscheidungen wichtig. Sinnvoll ist es, altersgerechte oder barrierefreie Badezimmer im besten Fall schon in frühen Jahren gezielt als Modernisierungsmaßnahmen zu planen und im Neubau von Anfang an mitzudenken – sowohl in vermieteten Wohnungen als auch im selbstgenutzten Wohneigentum. „Wer heute in solche Bäder investiert, macht den Alltag für viele Menschen leichter: für ältere Menschen, für Familien mit kleinen Kindern und für Personen, die etwa durch einen Unfall vorübergehend in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind“, betont Daniela Heinemann von der Aktion Barrierefreies Bad.

Barrierefreie Bäder als Planungsstandard

Für die Praxis heißt das: Das barrierefreie Bad darf nicht länger als Sonderlösung für das Alter oder den Pflegefall verstanden werden, sondern muss zum Standard einer vorausschauenden Badplanung werden. Die Sanitärbranche zeigt längst, dass sich Sicherheit, Komfort und attraktives Design gut miteinander kombinieren lassen. Das gelingt beispielsweise mit bodengleichen Duschen und multifunktionalen Produkten, intelligent angelegten Bewegungsflächen und einer vorausschauenden Planung. So entsteht schon heute ein Bad, das barrierefrei und zugleich ein schickes, modernes Badezimmer ist. Steigt der Unterstützungsbedarf später, lassen sich zusätzliche Elemente vergleichsweise einfach ergänzen.

Gut vorbereitet planen: Publikationen der Aktion Barrierefreies Bad

Damit diese Vorstellungen in der Praxis gut umgesetzt werden, brauchen Bauherren und Badplaner eine verlässliche Orientierung. Wie ein altersgerechtes, barrierefreies oder pflegegerechtes Bad konkret konzipiert und realisiert werden kann und welche Lösungen sich für unterschiedliche Ausgangssituationen eignen, zeigen die Publikationen der Aktion Barrierefreies Bad. Dort finden Interessierte praktische Tipps, anschauliche Beispiele und Hintergrundinformationen für die Umsetzung solcher Badezimmer.


Unser Aufmacherfoto zeigt die Titelseite des Stadtentwicklungsberichts 2025, ergänzt um ein KI-generiertes barrierefreies Bad.