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Allgemein Barrierefrei Förderung KfW Pflege
2. Oktober 2026
Ein Fachhandwerker montiert in einem geöffneten Wandbereich die Abwasserleitung eines Badezimmers. Sichtbar sind Metallständerwerk, Dämmung, Rohre und ein Bohrschrauber.

VDS und ZVSHK machen Druck wegen KfW-Programm 455-B

Haushalt 2027:
Badumbau-Zuschüsse gefordert

(dh/red-abb) Für das KfW-Zuschussprogramm 455-B „Barrierereduzierung – Investitionszuschuss“ sind im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 keine Mittel vorgesehen. In einem gemeinsamen Brief an die Politik fordern VDS und ZVSHK mindestens 150 Millionen Euro jährlich und eine dauerhafte Förderung. Diese wird insbesondere für altersgerechte Badumbauten benötigt. Die Aktion Barrierefreies Bad unterstützt den Appell.

Keine verlässliche Finanzierung

Das KfW-Zuschussprogramm 455-B ist seit Jahren nicht verlässlich finanziert. Nach dem Neustart im April 2026 reichten die bereitgestellten 50 Millionen Euro nur bis Ende Juli. Neue Anträge können seitdem nicht mehr gestellt werden.

2027 droht Förderstopp

Besonders schwer wiegt vor diesem Hintergrund, dass im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 gar keine Mittel mehr für das Programm vorgesehen sind. Weil die Finanzierung damit vollständig wegzufallen droht, haben sich die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) mit einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesbauministerin sowie an Bundestagsabgeordnete gewandt. Sie wollen damit ein Umdenken in der Förderpolitik erreichen: Für das Zuschussprogramm 455-B soll eine dauerhaft verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung an die Stelle kurzfristiger, zu geringer oder ganz ausbleibender Mittel treten.

Forderungen der Verbände

Konkret fordern sie:

  • eine jährliche Ausstattung mit mindestens 150 Millionen Euro;
  • einen Zuschuss von zehn Prozent der förderfähigen Kosten;
  • eine maximale Förderung von wieder bis zu 5.000 Euro je Wohneinheit;
  • eine dauerhafte und planbar verfügbare Förderung.

 

Bedarf bleibt hoch

Die bereitgestellten Mittel waren in der Vergangenheit rasch aufgebraucht. Das zeigt, wie groß der Bedarf an Zuschüssen für altersgerechte Umbauten ist. Das ist auch kein Wunder: Barrierearme Wohnungen sind in Deutschland weiterhin die Ausnahme. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verfügten 2022 nur sechs Prozent der knapp 13 Millionen Haushalte mit mindestens einer Person ab 65 Jahren über alle gängigen Merkmale der Barrierereduktion.
Besonders sichtbar wird der Bedarf beim Badumbau: Maßnahmen in Sanitärräumen machen den überwiegenden Teil der bewilligten KfW-Fördermittel aus. Das unterstreicht die besondere Bedeutung altersgerechter Badezimmer für ein selbstbestimmtes Leben zu Hause.

Hinzu kommt ein erheblicher Sanierungsstau in privaten Bädern. Die VDS-Grundlagenstudie #germanbathrooms, die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut forsa durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass 18 Prozent der privaten Badezimmer in Deutschland – rund sieben Millionen Bäder – dringend saniert werden müssen. Zugleich halten 95 Prozent der Befragten altersgerechte Badezimmer für wichtig oder sehr wichtig.

Badumbau ist Pflegepolitik

Die Förderung barrierereduzierter Badezimmer ist nicht allein eine Frage der Wohnungs- und Baupolitik. Sie ist auch ein wichtiger Baustein dafür, dass Pflege im eigenen Zuhause gelingen kann. Ende 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Rund 86 Prozent von ihnen wurden zu Hause versorgt.

Gerade weil die Pflegeversicherung unter erheblichem finanziellem Druck steht, wiegt das Ausbleiben einer dauerhaft gesicherten Förderung besonders schwer. Ein entsprechend umgebautes Bad erleichtert die Pflege und unterstützt den Verbleib in der eigenen Wohnung.

VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann betont die Bedeutung frühzeitiger Investitionen in altersgerechte Badezimmer: „Wer die häusliche Pflege stärken und die Pflegeversicherung langfristig entlasten will, muss frühzeitig in altersgerechte Badezimmer investieren. Jeder nicht erfolgte Umbau erhöht den Druck auf Pflegebedürftige, Angehörige und ambulante Dienste. Die Förderung darf deshalb nicht erneut zu einem Stop-and-go-Programm werden.“

Damit Pflege zu Hause sicher und dauerhaft gelingen kann, braucht es ein Bad, das auch für Menschen mit Einschränkungen gut nutzbar ist. Bodengleiche Duschen, ausreichende Bewegungsflächen, gut erreichbare Waschtische und WCs sowie sichere Haltemöglichkeiten erleichtern die tägliche Körperpflege. Sie schaffen mehr Sicherheit für Pflegebedürftige, entlasten Angehörige und erleichtern auch ambulanten Pflegekräften ihre Arbeit.

Zuschüsse sichern, Pflege stärken

Altersgerechte Badumbauten sind damit weit mehr als einzelne Baumaßnahmen. Sie schaffen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Grundsatz „ambulant vor stationär“ im Alltag funktionieren kann.

Für viele Menschen sind die Kosten eines altersgerechten Badumbaus ohne Zuschuss jedoch nur schwer zu tragen. Eine dauerhaft finanzierte Förderung für das KfW-Programm 455-B wäre deshalb eine Investition in selbstbestimmtes Wohnen und eine funktionierende Pflege. Sie kann dazu beitragen, einen Umzug in eine stationäre Einrichtung hinauszuzögern oder zu vermeiden – und damit auch die Pflegeversicherung entlasten.


Weitere Hintergründe und Details finden Sie hier:

https://www.aktion-barrierefreies-bad.de/stadtentwicklungsbericht-2025-unterstreicht-dringenden-handlungsbedarf/

https://www.sanitaerwirtschaft.de/aktuell/dringender-handlungsbedarf-zur-schaffung-barrierefreier-badezimmer

https://www.aktion-barrierefreies-bad.de/keine-mittel-fuer-altersgerecht-umbauen-in-2025/

Unser Aufmacherfoto zeigt die Installation von Sanitärtechnik bei einem Badumbau.
Foto: Geberit