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5. Dezember 2013

Ein Raum für das ganze Leben

Interview mit Vera Schmitz

Kaum hat er das Badezimmer betreten, setzen sich Toilette, Waschbecken und Dusche in Bewegung – so lange, bis die Höhe optimal auf ihn eingestellt ist. Ein Interview mit Vera Schmitz offenbart die Möglichkeiten bei der Badausstattung.

Er steht vor dem Spiegel, einem überdimensionalen Display, und liest ab, welche Tabletten er noch einnehmen muss. Ganz nebenbei werden Blutdruck und Gewicht gemessen. Stürzt er, schlägt die Anlage in der Pflegedienstzentrale sofort Alarm.

Wie Science Fiction mutet an, …

… was das Fraunhofer-Institut Duisburg bei der Pflegefachmesse Rehacare im vergangenen Jahr präsentiert hat: ein intelligentes Bad, das es älteren Menschen ermöglicht, länger und komfortabler in den eigenen vier Wänden zu leben. Doch so viel Hightech ist gar nicht nötig, um das Badezimmer auch dann noch als einen Wohlfühl-Ort zu empfinden, wenn die Beweglichkeit nachlässt. Es wird vom SHK-Profi „barrierefrei“ geplant – so der Fachbegriff. Das umfangreiche Regelwerk aus DIN-Normen bietet vor allem eins: echten Zusatzkomfort für den jüngeren wie älteren Nutzer. Grundvoraussetzung ist die  einfache Zugänglichkeit von Waschtisch, Dusche, WC und  Badewanne. Dazu kommt ein stabiles Vorwandsystem, das auch den Hebelkräften nachträglich installierter Haltegriffe standhält.  Der Clou: Bereits in den Jahren, in denen Handläufe oder zusätzliche elektrische Anschlüsse nicht benötigt werden, kann das System installiert, aber hinter Putz und Fliesen verborgen werden. Bei Bedarf sind die Hilfsmittel dann rasch anzubringen.

„Ein barrierefreies Bad muss geräumig …

… und schwellenlos sein. All diese Kriterien muss auch ein Familienbad erfüllen“, betont Vera Schmitz, Präsidentin des Bundes Deutscher Innenarchitekten und Spezialistin für barrierefreies Bauen. Von rutschhemmenden Böden, abgerundeten Kanten, bodengleichen Duschwannen, ausreichendem Bewegungsspielraum und strapazierfähigen Materialien profitieren nicht nur gebrechliche Menschen, sondern auch Kinder. Und ein Waschtisch mit breiten Ablageflächen ist nicht nur als Schminktisch komfortabel, sondern erleichtert auch die Katzenwäsche der zappeligen Kleinen. Diese sollen sich im Bad selbstständig und vor allem sicher bewegen können. Schmitz versucht, gerade jüngere Familien davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, ein Bad „barrierefrei“ zu planen. Sie nennt es meist lieber „schwellenlos“, denn die Vorurteile seien groß, würden doch viele „barrierefrei“ mit „behindertengerecht“ gleichsetzen und mit weißer Seniorenheim-Optik verbinden. „Doch zwischen guter Gestaltung und Barrierefreiheit unterscheiden wir heute nicht mehr“, weiß sie aus Erfahrung.

Familienfreundliches Konzept

Hersteller haben längst Produkte und ganze Design-Konzepte für Bäder entwickelt, die in jedem Alter und jeder Lebenssituation unein-geschränkt nutzbar sind – bei höchstem ästhetischen Anspruch. Viele Industriedesigner folgen der Idee eines Generationenbades. Ihr Ziel: das Bad so auszustatten, dass es ein selbstständiges Leben im höheren Alter ermöglicht, ohne an die ersten Zipperlein zu erinnern. Die Bedeutung des Bades wächst zunehmend. Das zeigt etwa die stärkere Integration in den Wohnraum oder der Trend hin zu XXL-Duschen, die für alle Familienmitglieder leicht und bequem nutzbar sind. „Ebenso wichtig wie die einfache Zugänglichkeit von Waschtisch, Dusche, WC und Badewanne ist die intuitive Nutzung.

Konstruktion

Ein vormontiertes Tragesystem, eine so genannte Vorwandinstallation, enthält bereits alle Ver- und Entsorgungsleitungen sowie die Sanitäranschlüsse. Sie ist die ideale Voraussetzung, um den Sanitärraum später je nach Bedarf umzurüsten. Als Renovierungsmethode gehört sie zu den kostengünstigsten Lösungen, denn vorhandene Wände müssen nicht mehr aufgestemmt werden. Weitere Vorteile: Die Sanitärobjekte können fast überall platziert werden, unabhängig von den vorhandenen Wasseranschlüssen. Durch die einzelnen Elemente lassen sich größere Räume in kleinere Rückzugsbereiche unterteilen. Die stabile Konstruktion eignet sich besonders auch für den Einsatz in generationen-übergreifenden Bädern.

Interview mit Vera Schmitz
Foto: Geberit
Waschtische und Unterschränke

Waschtische müssen so solide aufgehängt sein, dass man sich auf ihnen abstützen kann. Abgerundete Kanten schützen vor Verletzungen. Eine ausreichende Größe des Tischs und eine gut erreichbare Armatur erlauben auch mal eine Haarwäsche zwischendurch. Wer an später denkt, sollte beim Einbau von Unterschränken einen Raumspar- oder Unterputz-Siphon wählen, um bei Bedarf den Schrank abnehmen oder seitlich verschieben zu können. Dies sorgt für Beinfreiheit.

Dusche

Die bodengleiche Dusche, ideal für Nutzer jedes Alters, liegt  im Trend. Die beiden gängigen Lösungen sind einbaubare Duschtassen oder individuell geflieste Bodenflächen. Für einen sicheren Tritt sorgen rutschfeste Fliesen und ein hoher Fugenanteil. Ein solide montierter Duschklappsitz, ein Duschhocker und Haltegriffe bieten nicht nur älteren Nutzern zusätzlichen Komfort. Duschabtrennungen, falls überhaupt nötig, sollten so flexibel wie möglich sein.

Interview mit Vera Schmitz
Foto: Duravit
Badewanne

Badewannen eignen sich besonders für medizinische Anwendungen, stellen aber im klassischen Bad durch das Ein- und Aussteigen über den Wannenrand gerade für ältere Menschen ein Problem dar. Eine Stange, die zwischen Boden und Decke gespannt wird, kann als Einstiegshilfe dienen. Sinnvoll ist auch der Einbau einer Stufe. Wenn es die Architektur zulässt, lautet die Ideallösung: Die Wanne wird in den Boden eingelassen. Beim Ein- und Aussteigen ist das ein großer Vorteil, auch für Kinder. Je nach dem Grad der körperlichen Einschränkung können weitere Hilfsmittel angebracht werden – vom schnell montierten, einfachen Griff bis hin zum Badewannenlift.

Interview mit Vera Schmitz
Foto: Kaldewei
WC

Ein WC, das für alle Generationen Komfort bietet, braucht viel Platz, um von allen Seiten zugänglich zu sein. Ein höhenverstellbares WC ist ideal, um den Bedürfnissen von Groß und Klein zu entsprechen. Rollstuhlfahrer benötigen links, rechts und vor dem WC besonders viel Raum. Klappbare Stützgriffe erleichtern ihnen die Nutzung zusätzlich. Die Bandbreite der Hilfsmittel für gebrechliche Menschen ist groß und sollte individuell abgestimmt werden. Besonders angenehm für alle Nutzer sind die neuen Dusch-WCs, die mit Dusche und Fön ausgestattet sind.

Beleuchtung und Steckdosen

Die Lichtquellen müssen so angeordnet werden, dass der Raum schattenfrei ausgeleuchtet wird. Alle Steckdosen sollten über einen Auswurfmechanismus verfügen.

Armaturen

Armaturen am Waschbecken, an der Wanne und in der Dusche müssen greifgünstig und einfach in der Handhabung sein. Eine Temperaturbegrenzung schützt besonders Kinder und Menschen mit Handicap vor Verbrühungen. Noch komfortabler und absolut hygienisch sind berührungslose Armaturen.

Foto Schmitz: privat